Neujahrsbräuche im Engadin
Das Engadin hat eine reiche Brauchtumskultur, mit eigenen Festen, eigenen Liedern und einer eigenen Sprache, dem Rätoromanischen. Rund um Silvester werden aber oft Bräuche genannt, die in einen ganz anderen Monat gehören. Wir haben sortiert, was wirklich zum Jahreswechsel gehört.

„Bun di, bun an“
Der rätoromanische Neujahrsgruß heißt „Bun di, bun an“: guten Tag, gutes Jahr. In manchen Dörfern ziehen Kinder am 1. Januar von Haus zu Haus, sagen den Wunsch auf und bekommen dafür Süßes, Nüsse oder ein paar Münzen. Als lebendiger Brauch belegt ist das zum Beispiel in Casaccia im Bergell und in Ftan im Unterengadin.
In St. Moritz selbst ist der Heischebrauch nicht verbreitet, der Gruß aber sehr wohl. Die Engadiner Post titelte am 31. Dezember 2024 schlicht „Bun di, bun an!“, und Samedan feierte am 1. Januar 2025 einen ökumenischen Gottesdienst unter diesem Namen. Wenn Sie am Neujahrsmorgen jemandem mit „Bun di, bun an“ begegnen, liegen Sie richtig.
Die Schlitteda im Januar
Die Schlitteda gehört nicht zu Silvester, aber in die Wochen danach. Junge, unverheiratete Paare fahren in Engadiner Tracht auf geschmückten Pferdeschlitten durch die Dörfer. Es gibt die Schlitteda nacheinander in Pontresina, Champfèr, St. Moritz und Samedan. Die 50. Schlitteda Champfèr ist für den 9. Januar 2027 angekündigt. Mehr unter Januar in St. Moritz.
Nicht zum Jahreswechsel
Chalandamarz ist am 1. März. Kinder ziehen mit Kuhglocken und Liedern durch die Dörfer, um den Winter auszutreiben. Mit Neujahr hat das nichts zu tun, auch wenn manche Seiten es so darstellen.
Hom Strom findet am ersten Samstag im Februar statt, und zwar in Scuol im Unterengadin, nicht in St. Moritz. Verbrannt wird ein Strohmann, als Zeichen gegen den Winter.
Und das Feuerwerk?
Feuerwerk ist in St. Moritz seit Juni 2022 verboten, in den meisten Nachbargemeinden ebenfalls. Das frühere Neujahrsfeuerwerk über dem See fand am Abend des 1. Januar statt, nicht um Mitternacht, und ist Geschichte. Mehr unter Silvesternacht.
Was Gäste mitmachen können
Neujahrsgruß: „Bun di, bun an“ am 1. Januar
Neujahrskonzert der Gemeinde am 2. Januar in St. Moritz-Bad, zuletzt mit freiem Eintritt
Schlitteda als Zuschauerin oder Zuschauer im Januar
Engadiner Nusstorte als Mitbringsel, die gibt es das ganze Jahr